Kunst by Sigrid Strohschen

 Sigrid Sigi Strohschen am strand warnemünde malerin bildhauerin kunst ostsee mecklenburg Kunst ist die andere Sprache der Religion

   Ein Credo

Was sagt eine Vita über einen Künstler?

In meinen Augen nicht viel, denn jeder Mensch, der sich der Kunst öffnet und verpflichtet, stellt sich damit auch an den Rand unserer modernen, leistungsorientierten Gesellschaft. Im Sinne von ein wahrhaft moralischer Mensch kann nicht gesellschaftsfähig sein.

Bei Verfassen der Vita aber, wird der Boden unter ihm wieder schwammig, fühlt er seine Füße magnetisch gezogen vom Establishment, das da mit erhobenem Zeigefinger fragt: Wer bist Du? Was kannst Du? Wer gibt Dir das Recht? Was hast Du geleistet im Lichte unserer Öffentlichkeit? Haben wir Dich schon legitimiert, selbst zu denken, selbst zu fragen, selbst zu sein?

Ich versuche konsequent zu sein. In meiner Kunst, in meinem Leben.
Ich diene der Quelle, die uns alle speist und über alle Zeiten und Gesellschaften erhaben ist. Das ist nicht leicht, war nie leicht und betrifft und betraf sehr viele Kunstschaffende aller Epochen, ist also eigentlich nichts Besonderes, nichts völlig subjektiv Egozentrisches.
In diesem Sinne bin ich naiv im bestmöglichen Wortsinne.
Ich bin Dilettant, denn ich genieße, was ich tue.
Und Amateur, denn ich liebe es von ganzem Herzen.
Ich mache Kunst, weil es für mich keine Alternative gibt, dieses re-ligio, diese Philosophie aktiv zu leben.
Ich bin Werkzeug, nicht Schöpfer.

Das Gesagte bedingt naturgemäß Konfliktherde mit dem, was man Gesellschaft nennt. Ja, auch mit dem Kunstbetrieb, verständlicherweise.

Stichwort Galerien und Kunstkritik:
Ich glaube daran, dass es Galeristen gibt, die vom Wesen her keine Zuhälterei betreiben - getroffen habe ich sie noch nicht.
Ich glaube ferner daran, dass es Kunstkritiker gibt, die nicht nur deshalb die Moderne bevorzugen, weil sie so viel Raum für Interpretationen läßt und damit Platz für die eigene Selbstdarstellung, die eigene Profilneurose. Eine Einstellung, die den Realismus und Naturalismus ob ihrer Allgemeinverständlichkeit ablehnen muss.
Als gelernte Redakteurin und im Zuge dessen auch Kommentatorin von Kunstausstellungen, weiß ich, wovon ich spreche. Ich kenne beide Seiten: die des Sektglas- und Notizblockbewaffneten Schreiberlings und die des aus- (ja, vielfach bloß-)gestellten Künstlers zur Vernissage. Sowohl die eine als auch die andere Seite der Kunst im öffentlichen-gesellschaftlichen Raum hat ihre Chancen, aber auch Herausforderungen und Fallstricke in puncto Menschenwürde.

Stichwort Kunst und Markt:
Eine Welt, in der Dinge einen Preis haben, ist mir (als bewusst naivem Menschen) suspekt. Um das eben gesagte zu spezifizieren: Dinge, die man liebt, beispielsweise Tiere und auch Kunst als Originale (selbstredend auch alle lebenserhaltenden Güter wie Brot, Salz, Wasser, saubere Luft). Eine Gesellschaft (insbesondere die gut situierten Industrienationen) müsste in der Lage sein, ihre Ressourcen ethisch so zu verwalten, dass der Austausch dieser Güter außerhalb marktwirtschaftlicher Strukturen stattfinden kann. Jedes Tier, jedes Bild, also jedes Original ist für jemanden bestimmt - für den, der er es von Herzen liebt. Er sollte es bekommen. Haben, also besitzen, wird er es ohnehin nie. Aber mit ihm leben, mit ihm sein und dadurch sein eigenes Sein und das des anderen bestmöglich entfalten und mehren.
Kurz: vom Haben zum Sein als gelebte Philosophie und tätige Liebe.

Bei allem Idealismus - auch ich bin Mensch, brauche Wohnung und Brot, verkaufe meine Bilder, meine Bücher, lass mich für Lesungen entlohnen. Setze sogar mein copyright auf meine Werke, deren Schöpfer nicht ich, sondern nur Werkzeug bin. Aber ich tue es im Bewusstsein des Widerspruchs, bemerke mein Irren im Tun und erfahre dadurch täglich die Diskrepanz zwischen Wesentlichem und sog. Realität. Und dieser Widerspruch fordert mich, fördert mich und weist mir den Weg, meinen Weg.
Ich erlaube mir, Idealist zu sein.
Ich habe mich dafür entschieden, Künstler zu sein - in guten wie in schlechten Tagen.
Ich nehme mir die Freiheit, ich selbst zu sein und zu werden.
Nicht mehr und nicht weniger.

Denn - um den Bogen schlußendlich zu spannen - wenn ich heile, heilt ein Teil der Gesellschaft...