Kunst by Sigrid Strohschen

Nachfolgend ein kurzer Anriss eines umfangreichen Dossiers, das HIER im Download erhältlich ist. Es geht um Sehen, Sichtbarkeit und die Frage, ob die modernen Neuro-Wissenschaften nicht zwingend mit Künstlern zusammenarbeiten sollten, um Begriffen wie Wirklichkeit, Wahrheit und Wahrnehmung inhaltlich näher zu kommen.

  • Was, wenn Sehen und Sichtbarkeit 2 aktive Prozesse wären?
  • Wie eng sind Wahrheit und Wahrnehmung miteinander verknüpft? Nehmen wir nur wahr, was wir als Wahrheit anzunehmen bereit sind?
  • Ist unsere Umwelt ähnlich unseres Selbstbildes weit weniger Realität als vielmehr eine "online-Simulation"?
  • Was hat Wirklichkeit mit dem Wortursprung "wirken" (weben, arbeiten) zu tun?
  • Gibt es Realität überhaupt im Singular?
  • u.v.m., was Menschen, die sich "Realisten" rühmen, nicht gefallen dürfte... und vielleicht ein neues Licht auf das Genre Realismus wirft

Empfehlenserwert hierzu auch der TV-Beitrag "Wahrheit? Alles Lüge" von 2008

Und bitte nicht vergessen: das Copyright gilt nicht nur für die Inhalte der gesamten Homepage, sondern auch für alle Downloads.

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Realismus - ein Genre und bildgewordene Frage

Wie realistisch ist der Realismus?
(...)
Ist das, was wir sehen, Realität oder verändern wir - konstruktivistisch gedacht - allein durchs Ansehen das Objekt? Überspitzt formuliert: erschaffen wir gar das Gesehene erst durchs Hinsehen, also erscheinen die Dinge erst durchs Ansehen, sind also unbe(tr)achtet gar nicht existent?
Das würde zumindest erklären, warum sich die Wahrnehmungen der Menschen so gravierend unterscheiden, warum viele sehen und doch nicht sehen... zumindest nicht dasselbe wie ihr Nachbar, ihr Gegenüber.
Im Umkehrschluß hieße das, Sichtbarkeit ist relativ. Und damit auch Wirklichkeit, Realität. Ein Denkansatz, der denjenigen, die sich - in unserer Zeit - Realisten rühmen, nicht gefallen dürfte.
So gäbe es Wirklichkeiten, Realitäten - ein Plural mit nicht näher bestimmbarer Anzahl. Und vielleicht kommen ja noch all die Wirklichkeiten hinzu, die nicht einmal durchs Ansehen sichtbar werden wollen... Damit wären Sehen und Sichtbarkeit zwei aktive Komponenten - ein Umstand, den man als Künstler täglich erlebt, ja, mitunter Quelle und Motor des künstlerischen Schaffens ist.
(....)
Als Beispiel kann folgendes Bild dienen:

vom leben gezeichnet, gemälde by Sigrid Strohschen, copyright 2007

vom leben gezeichnet, ©2007

Dies ist ein Sinnbild der menschlichen Entwicklung und dem damit verbundenen Irrglauben, auf jeder der Stufen bereits fertig und vollkommen zu sein.
Wie man sieht wird die Person gerade erst gezeichnet, ist er halb fertig, aber wendet bereits stolz ihren Blick nach oben, vom Zeichner weg, im Glauben mit gerade erst durchbluteten Wangen bereits vollständig und sehend zu sein...
(...)
Das hier philosophisch Hinterfragte und am Bild Dokumentierte möchte ich mit einer poetischen Variante ergänzen:

Bei Nacht wird jedes Handtuch zum Gespenst
sagt man
Was aber
Wenn bei Tag jedes Gespenst zum Handtuch wird?

(...)

Viele gute Gedanken beim Nachsinnen...